Palliativ bedeutet „lindernd“. Palliativversorgung richtet sich an Menschen mit einer unheilbaren Erkrankung – wenn Heilung nicht mehr möglich ist. Ziel ist es, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität so gut wie möglich zu erhalten.
Häufig gestellte Fragen
Heißt „palliativ“, dass ich jetzt sterben muss?
Nein.
Palliativversorgung beginnt nicht erst am Lebensende. Sie kann bereits Monate oder sogar Jahre vor dem Tod sinnvoll sein – nämlich dann, wenn eine unheilbare Erkrankung vorliegt und Beschwerden auftreten, die die Lebensqualität einschränken. Palliativ heißt also nicht, dass „alles vorbei ist“, sondern dass jetzt die Lebensqualität im Mittelpunkt steht – mit Unterstützung, Linderung und Zuwendung.
Was bedeutet der ganzheitliche Ansatz in der Palliativversorgung?
Palliative Versorgung betrachtet den Menschen nicht nur medizinisch, sondern in seiner gesamten Lebenssituation. Das heißt: Es geht nicht allein um die Behandlung körperlicher Beschwerden, sondern auch um das, was auf seelischer, sozialer und spiritueller Ebene belastet oder unterstützt.
Ein ganzheitlicher Ansatz bedeutet:
- Körperlich: Schmerzen, Atemnot, Übelkeit oder andere Symptome werden gezielt gelindert.
- Psychisch: Ängste, depressive Verstimmungen oder Verunsicherung werden ernst genommen – auch Gespräche mit psychologischen Fachkräften sind möglich.
- Sozial: Fragen rund um Pflege, Versorgung zu Hause, finanzielle Belastung oder Angehörigenunterstützung fließen mit ein.
- Spirituell: Was gibt Kraft? Was belastet seelisch? Gibt es offene Fragen oder Wünsche für die verbleibende Zeit? Auch diese Themen finden Raum – unabhängig von Religionszugehörigkeit.
Auch Angehörige stehen im Mittelpunkt: Sie werden aktiv einbezogen und in ihrem Alltag, ihrer Belastung und ihren Sorgen begleitet – vor, während und nach der Versorgung des Patienten.
Der ganzheitliche Ansatz ist ein Kernprinzip der Palliativversorgung und soll dazu beitragen, dass schwerkranke Menschen und ihre Familien so selbstbestimmt, würdevoll und unterstützt wie möglich leben können – unabhängig von Lebensdauer oder Diagnose.
Was ist der Unterschied zwischen „kurativ“ und „palliativ“?
Kurative Therapien haben das Ziel, eine Krankheit vollständig zu heilen oder zumindest dauerhaft zu stoppen oder deutlich zu bessern. Beispiele sind Operationen, Chemotherapie oder Medikamente zur vollständigen Ausheilung einer Erkrankung.
Palliative Therapien hingegen setzen dort an, wo eine Heilung nicht mehr möglich ist. Sie zielen darauf ab, Symptome zu lindern, Lebensqualität zu erhalten und das Leiden zu reduzieren. Dazu gehören z. B. Schmerzbehandlung, die Linderung von Atemnot oder die psychologische Begleitung bei Ängsten.
Was ist das Palliativnetzwerk Kaufbeuren-Ostallgäu?
Unser Palliativnetzwerk vernetzt Akteure aus Medizin, Pflege, Ehrenamt, psychosozialer Unterstützung und Hospizarbeit. Gemeinsam wollen wir die Palliativversorgung in der Region stärken und Betroffenen sowie Angehörigen verlässliche Ansprechpersonen bieten.
Was macht ein Palliativmedizinischer Dienst?
Der Palliativmedizinische Dienst ist ein spezialisiertes Team im Krankenhaus. Es berät andere Stationen, begleitet Patient:innen mit fortgeschrittener Erkrankung und unterstützt bei medizinischer, pflegerischer oder psychosozialer Versorgung – auch in der Entlassungsplanung.
Was ist AAPV?
AAPV steht für Allgemeine Ambulante Palliativversorgung. Diese erfolgt meist durch Hausärzt:innen, Pflegedienste und ambulante Hospizdienste. Sie richtet sich an Menschen mit fortgeschrittener Erkrankung, die zuhause oder im Pflegeheim betreut werden.
Was ist SAPV?
SAPV ist die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung für Menschen mit besonders hohem medizinischem oder pflegerischem Versorgungsbedarf. Ein multiprofessionelles Team aus Ärzt:innen und Pflegefachkräften begleitet die Patient:innen – oft auch rund um die Uhr.
Was ist ein Hospizzimmer?
Ein Hospizzimmer ist ein besonderer Raum in Pflegeeinrichtungen. Es bietet eine ruhige, würdevolle Umgebung für Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Angehörige können meist rund um die Uhr dabei sein.
Was sind hospizliche Dienste?
Hospizliche Dienste begleiten schwerkranke und sterbende Menschen in ihrem Zuhause, im Pflegeheim oder Krankenhaus – meist ehrenamtlich. Sie stehen Betroffenen und Angehörigen entlastend zur Seite, bieten Gespräche, Zeit und Präsenz.
Ist Palliativversorgung nur für ältere Menschen?
Nein. Auch jüngere Menschen – z. B. mit Krebs, neurologischen oder anderen schweren Erkrankungen – können palliativ begleitet werden. Entscheidend ist der individuelle Bedarf, nicht das Alter.
Wer gehört zur Zielgruppe palliativmedizinischer Angebote?
Menschen mit unheilbarer, fortschreitender Erkrankung, bei denen die Lebensqualität durch Symptome oder psychosoziale Belastungen eingeschränkt ist. Auch Angehörige werden mitbegleitet – oft über den Tod hinaus.
Welche Rolle spielt das Ehrenamt?
Ehrenamtliche Hospizbegleiter:innen leisten einen wertvollen Beitrag. Sie hören zu, begleiten Gespräche, entlasten Angehörige und sind einfach da – menschlich, still, verlässlich.
Welche psychosozialen Angebote gibt es?
Die Palliativversorgung umfasst auch psychologische, soziale und spirituelle Begleitung. Dazu gehören Gespräche, Seelsorge, Trauerbegleitung oder Unterstützung im Alltag.
Wer übernimmt die Kosten?
Die Kosten für palliative Leistungen – wie SAPV, Palliativstation oder Hospiz – werden in der Regel von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Ambulante Hospizbegleitung ist kostenfrei.
Wie kann ich Palliativversorgung in Anspruch nehmen?
Sprechen Sie mit Ihrer Hausarztpraxis, Klinik, einem Hospizdienst oder direkt mit uns als Netzwerk. Wir helfen gerne weiter und vermitteln passende Angebote in Ihrer Nähe.
Was passiert nach dem Tod eines Patienten?
Auch die Trauerbegleitung ist Teil der Hospiz- und Palliativarbeit. Viele Hospizdienste bieten Angehörigen Gespräche, Trauercafés oder persönliche Begleitung an. Niemand soll in dieser Phase allein sein.
